Pia Himmeln ist Künstlerin und Kommunikationsdesignerin „mit Vorliebe für Illustrationen & Linoldruckerei“ und einer ebenso großen Vorliebe für Meer, Surfen und Camping. Zusammen mit Radiomoderator und Podcaster Tim Winterscheid hat sie das Kinder-Vorlesebuch „Yuki und die Wellen“ herausgebracht. Wir haben das zum Anlass genommen, Pia zu interviewen und ihr ein paar Fragen zu stellen.

Pia, du illustrierst unter anderem Reiseführer und Bücher, hast aber auch einen eigenen Onlineshop. Was ist für dich bei der Illustration von Kinderbüchern die größte Herausforderung bzw. der größte Anspruch?
Ich liebe schön illustrierte Kinderbücher. Mein Geschmack ändert sich allerdings recht schnell, daher ist die größte Herausforderung Bilder zu zeichnen, die mir auch in ein paar Monaten noch gefallen und mich nicht zu sehr von aktuellen Trends beeinflussen zu lassen.
In dem Buch geht es um die/den kleine/n Yuki und dem Wunsch, eine große Welle zu reiten, sowie die damit verbundenen großen Gefühle Angst und Mut. Anfang des Jahres hast du bereits ein Kinderbuch aus der Reihe „Lumis Gefühlsgalaxie“ zum Thema Wut illustriert: „Lumi auf dem Planeten Wutaris“. Was möchtest du Kindern zum Thema Gefühle mit auf den Weg geben?
Ich finde es wichtig, dass unsere Kinder lernen, dass alle Gefühle – egal ob positive oder negative – eine Daseinsberechtigung haben und gefühlt werden dürfen. Für uns Eltern ist es wichtig, diese Gefühle Ernst zu nehmen und richtig zu begleiten.
Ein weiteres großes Thema ist das Bauchgefühl. Wir leben in Zeiten boomender Online-Ratgeber, KI-Berater in allen Lebenslagen und Fitness-Apps, die Schritte, Herzschläge und den Schlafrhythmus auswerten. Ist das für dich ein nicht ganz unwichtiges Thema für Kinder und Heranwachsende?
Ich hoffe einfach sehr, dass Kinder nicht verlernen, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. Keine noch so perfekte Technik kann wissen, was das Herz zu eigenen Entscheidungen sagt und was sich „richtig“ oder „falsch“ anfühlt, nur weil Zahlen und Statistiken etwas anderes sagen.
Eine kurze Online-Recherche sagt mir, dass „Yuki“ ein japanischer Vorname ist, der je nach Schreibweise „Schnee“, „Mut“ oder auch „Glück“ bedeuten kann und sowohl für Mädchen als auch für Jungen verwendet wird. Die Wahl des Namens war bestimmt nicht unabsichtlich, oder?
Mein Kumpel Tim hat sich die Geschichte von „Yuki und die Wellen“ ausgedacht und ist bei der Suche nach einem Namen, der für Jungs und Mädchen funktioniert auf „Yuki“, japanisch für „Mut“ gestoßen, that’s it!

Der Hintergrund für Yukis Geschichte ist das Surfen, und du und Tim seid begeisterte Surfer. Warum eignet sich das Surfen deiner Meinung nach so gut für eine Geschichte über Mut, Angst und Bauchgefühl?
Surfen ist eine komplexe Sportart, bei der man nicht nur an seine körperlichen Grenzen gebracht wird, sondern sich auch der Macht der Natur unterwerfen muss. Wer sich da nicht drauf einlässt, bekommt ganz schnell die Quittung und wird von der nächsten Welle umgehauen. Eine gesunde Selbsteinschätzung und das eigene Bauchgefühl hat mich schon oft vor – im schlimmsten Fall – lebensgefährlichen Dummheiten beim Surfen bewahrt :-)
Gab es für dich und Tim einen besonderen Anlass, der euch zu dem Buch bewegt hat, oder war es ein eher gewachsener Prozess? Ihr beide seid ja auch ungefähr zur gleichen Zeit Eltern geworden.
Tim hat die Geschichte nach einer Situation geschrieben, in der er eines seiner Kinder motivieren wollte, über seine Grenzen hinwegzugehen, weil er zu wissen glaubte, dass es etwas schaffen kann, was es sich in dem Moment (noch) nicht getraut hat. Ich denke diese Situationen kennt jeder aus seiner Kindheit oder weil er selbst bei seinen Kindern erlebt. Tim hat nach dieser Situation reflektiert und festgestellt, dass es noch kein Buch über genau diesen Moment gibt, indem man so mutig ist und sich eingesteht, dass man etwas noch nicht traut.
Wie habt ihr das Buch zusammen entwickelt? Hast du Tims Text illustriert, hat er deine Bilder „betextet“ oder wie genau hat die Zusammenarbeit ausgesehen?
Wir saßen abends in gemütlicher Runde auf dem Campingplatz, als Tim mir von seiner Kinderbuchidee erzählte und ich direkt Feuer und Flamme war und direkt vorschlug die Illustrationen dafür zu machen. Er hat mir dann die Texte geschickt und ich habe sie illustriert. Ein paar Textstellen haben wir dann noch mit ein paar ausschmückenden Wörtern ergänzt und Tim durfte sich auch noch die ein oder andere Änderung an den Bildern wünschen. Es hat richtig viel Spaß gemacht zu sehen, wie aus Tims Idee ein fertiges Buch wurde!

Abgesehen von Yukis Gefühlswelt handeln auch deine eigenen Illustrationen von Wellen, Strand, Meer und seinen Bewohnern. Die Frage wurde dir bestimmt schon oft gestellt, aber ich möchte sie dir trotzdem noch einmal stellen: Was verbindet dich mit diesem Thema?
Dazu erzähle ich immer gerne die Geschichte, dass meine Großeltern ja eigentlich für meiner Liebe zum Meer verantwortlich sind. Hätten sie nicht in den frühen 70ern ihr Ferienhaus in Domburg, Niederlande gebaut (mein Opa ist Architekt), dann würde ich vielleicht jetzt Berge und Skifahrer zeichnen. Ich verbinde mit dem Meer also nicht nur die üblichen Fernweh- & Freiheitsgefühle, sondern auch wunderschöne Zeiten mit meiner Familie.
Beim Surfen geht es schließlich auch um Freiheit und Naturerleben, zwei Dinge, die dir selbst sehr wichtig sind. Deine Basis ist ein Bauernhäuschen am Niederrhein, aber im Sommer bist du mit deinem Bulli und Surfbrett an der Atlantikküste und anderen Küsten unterwegs. Was ist dir bei dem damit verbundenen Lebensgefühl wichtig, Kindern zu vermitteln?
Das klingt jetzt vielleicht sehr kitschig, aber es braucht nicht viel, um ein schönes Leben zu führen. Frische Luft, Sonnenschein und viel Bewegung ist schon (fast) alles was man braucht um glücklich zu sein. Morgens die Bulli-Tür aufzuschieben, das Meer hinter der Düne rauschen zu hören und abends todmüde mit sandigen Füßen und salzigen Haaren ins Bett zu fallen ist einfach unbezahlbar.
Ist jetzt erst einmal „Kinderbuchpause” angesagt oder hast du schon weitere derartige Projekte in der Pipeline?
Ich hab richtig viel Lust weitere Kinderbücher zu illustrieren, wer also eine Idee hat, kann sich gerne bei mir melden. Bis dahin widme ich mich meiner Linoldruckkunst und der Sanierung unseres 120 Jahre alten Hauses. Im nächsten Leben werde ich Handwerkerin :-)

